Ein Online Steuerberater ist kein neuer Berufsstand, sondern ein digital aufgesetztes Arbeitsmodell einer regulär bestellten Steuerkanzlei. Die rechtlichen Pflichten, die Berufshaftpflicht und die Verschwiegenheit nach Steuerberatungsgesetz gelten identisch zur Präsenzkanzlei. Anders ist die Zusammenarbeit: Belege wandern per App in die Cloud, Auswertungen liegen tagesaktuell im Mandantenportal, und das Honorar läuft meist als monatlicher Festpreis statt nach Mittelgebühr der StBVV. Dieser Artikel zeigt, für welche Unternehmen sich ein Online-Steuerberater rechnet, wo die Grenzen liegen und welche Auswahlkriterien Sie vor der Mandatierung prüfen sollten.
Kennzahlen auf einen Blick
Kennzahl Wert Steuerberater in Deutschland (01/2026) 105.953 Mitglieder der Kammern Stellenbesetzung in Einzelkanzleien 2024 nur 40% der offenen Stellen KI-Nutzung Erwerbstätige bei der Arbeit 48% (8% täglich) E-Rechnungspflicht B2B in Kraft seit 01.01.2025 Typische Kostenersparnis Online vs. klassisch 20-40% bei sauberer Belegerfassung Quellen: BStBK Berufsstatistik 2025, BStBK STAX 2024, Bitkom 2026, BMF E-Rechnung
Was ist ein Online Steuerberater?
Ein Online Steuerberater ist eine nach §3 Steuerberatungsgesetz bestellte Person oder Steuerberatungsgesellschaft, die ihre Mandate digital-first betreut. Die Bestellung erfolgt durch die zuständige Steuerberaterkammer, die Berufshaftpflicht beträgt mindestens 250.000 Euro je Schadensfall, und die Verschwiegenheitspflicht aus §57 StBerG gilt ohne Abstriche. Der Unterschied liegt im Workflow: Statt Ordnerabgabe und Vor-Ort-Termin laufen Belegerfassung, Buchhaltung, Korrespondenz und Steuererklärungen über ein Mandantenportal, eine Beleg-App und Videocalls.
Die Bezeichnung beschreibt also kein Produkt, sondern eine Arbeitsweise. Eine reine Software wie smartsteuer oder Wundertax ersetzt keinen Steuerberater, weil §3 StBerG die Steuerberatung als Vorbehaltsaufgabe definiert. Erst wenn ein bestellter Berufsträger im Hintergrund die Verantwortung übernimmt, handelt es sich um eine Online-Steuerberatung im rechtlichen Sinn.
Welche Modelle der digitalen Steuerberatung gibt es?
Der Markt teilt sich in fünf Modelle, die sich in Preis, Komplexitätsabdeckung und persönlicher Bindung unterscheiden. Geschäftsführer im Mittelstand stoßen meist auf eine Mischung aus rein digitalen Online-Kanzleien, hybriden Standorten und DATEV-zentrierten Modellen.
| Modell | Beschreibung | Beispielanbieter |
|---|---|---|
| Rein digitale Online-Kanzlei | Eigene Plattform, deutschlandweit, Festpreis | felix1.de, der-online-steuerberater.de, deine-online-steuerberatung.de |
| Hybrid-Kanzlei | Klassische Kanzlei mit Online-Angebot, optional Vor-Ort | viele DATEV-Kanzleien mit Label “Digitale Kanzlei” |
| Vermittlungsplattform | Mandant beschreibt Bedarf, erhält Festpreisangebote | Ageras, SteuerberaterScout |
| Software plus angebundener Steuerberater | Mandant führt Buchhaltung selbst, Berater zugeschaltet | lexoffice, sevDesk, Candis |
| DATEV Unternehmen Online plus Kanzlei | Standardweg im klassischen Mittelstand | jede DATEV-Kanzlei mit DUO-Anbindung |
Für eine GmbH mit 10 bis 50 Mitarbeitern ist die DATEV-Schiene meist erste Wahl, weil Banken, Wirtschaftsprüfer und das Finanzamt damit reibungslos zusammenspielen. Solo-Selbstständige und kleinere E-Commerce-Betriebe fahren mit lexoffice oder sevDesk plus angeschlossenem Steuerberater oft günstiger.
Was kostet ein Online Steuerberater?
Ein Online Steuerberater rechnet entweder klassisch nach Steuerberatervergütungsverordnung ab oder vereinbart einen Festpreis nach §14 StBVV. Der Festpreis muss schriftlich fixiert sein und mindestens zwölf Monate laufen. Online-Anbieter kalkulieren typischerweise 20 bis 40 Prozent unter der Mittelgebühr, weil OCR, Vorkontierung und ein digitales Mandantenportal Stunden in der Bearbeitung sparen.
Die folgenden Spannen geben Orientierung für 2026 und beziehen sich auf Pakete, die laufende Buchhaltung, Umsatzsteuervoranmeldung, Lohn für ein kleines Team, Jahresabschluss und Steuererklärungen umfassen.
| Mandantenprofil | Online-Festpreis pro Monat | Klassisch nach StBVV pro Jahr |
|---|---|---|
| Angestellte, nur Einkommensteuer | 30-80 Euro pro Jahr | 150-400 Euro |
| Freiberufler EÜR, unter 100k Umsatz | 50-120 Euro | 1.500-3.000 Euro |
| Solo-GmbH, unter 250k Umsatz | 200-400 Euro | 4.000-8.000 Euro |
| GmbH mit 1-10 Mitarbeitern | 350-900 Euro | 6.000-18.000 Euro |
| Mittelstand, 10-50 Mitarbeiter | 800-3.000 Euro modular | 15.000-80.000 Euro |
Nicht im Festpreis enthalten sind in der Regel Betriebsprüfungsbegleitung, steuerliche Gestaltungsberatung bei Holding-Aufbau oder M&A, internationale Sachverhalte und Sondergutachten. Diese Leistungen rechnet der Steuerberater zusätzlich nach Stunden ab, üblich sind 180 bis 280 Euro pro Stunde.
Für welche Unternehmen lohnt sich digitale Steuerberatung?
Digitale Steuerberatung lohnt sich für Unternehmen mit hohem Belegvolumen, standardisierten Prozessen und einer Geschäftsführung, die mit Cloud-Software arbeitet. Eine GmbH mit 25 Mitarbeitern, monatlich 600 Eingangsrechnungen aus Onlineshops, SaaS-Abos und Logistik profitiert massiv von OCR und automatischer Vorkontierung. Ein Handwerksbetrieb mit überwiegend Papierbelegen und einer Inhaberin, die nicht digital arbeitet, profitiert weniger.
Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung des eigenen Reifegrads. Sie zeigt, ab welcher Stufe ein Online-Steuerberater echte Vorteile bringt.
| Stufe | Bezeichnung | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| 1 | Papierhaft | Pendelordner, Excel-Listen, Belege per Post |
| 2 | Teildigital | PDF-Versand per E-Mail, lokale Buchhaltungssoftware |
| 3 | Cloud-basiert | DATEV Unternehmen Online oder lexoffice, Beleg-App im Einsatz |
| 4 | Automatisiert | OCR, KI-Vorkontierung, automatische Banktransaktionen |
| 5 | Datenintegriert | API-Anbindung an Shop, ERP, Bank, Lohn, durchgängiger Beleglauf |
Erst ab Stufe 3 zahlt sich ein Online Steuerberater wirklich aus. Wer auf Stufe 1 oder 2 steht, sollte zuerst die eigenen Prozesse digitalisieren, bevor er die Kanzlei wechselt. Ein Online-Berater rechnet sonst gegen einen Belegberg an, der weder OCR-fähig noch sortiert ist.
Klare Eignungsfälle
Diese Konstellationen passen besonders gut zu einer rein digitalen Steuerkanzlei. Sie kombinieren standardisierte Belege mit digitaler Disziplin und einem überschaubaren Komplexitätsgrad.
- E-Commerce-GmbHs mit Shopify, JTL oder Amazon-Anbindung
- SaaS-Unternehmen mit wiederkehrenden Stripe-Buchungen
- Agentur-GmbHs mit klarer Projektlogik und wenigen Sondersachverhalten
- Solo-Selbstständige, Freelancer und Freiberufler mit EÜR
- Startups in der Pre-Seed- oder Seed-Phase ohne komplexe Beteiligungsstruktur
- Standortverteilte Teams ohne festen Firmensitz
Grenzfälle und klare Ausschlüsse
Bei diesen Themen führt ein rein digitaler Steuerberater schnell an seine Grenzen. Hier zahlt sich klassische Beratung mit persönlichem Draht aus.
- Holdings mit mehreren Beteiligungen und Verrechnungspreisen
- Konzernstrukturen mit Auslandsberührung, BEPS-Pillar-2-Themen
- Heilberufe, Reisedienstleister mit Margenbesteuerung, Spielbanken
- Erbschaft, Schenkung und Generationennachfolge mit Notarbedarf
- Laufende Betriebsprüfungen mit Streitfragen
- Inhaber ohne Bereitschaft, mit Cloud-Tools zu arbeiten
Wie läuft die Zusammenarbeit mit einem Online Steuerberater ab?
Die Zusammenarbeit folgt einem standardisierten Monatszyklus, der die Buchhaltung weitgehend automatisiert. Eingangsrechnungen kommen entweder per E-Mail an eine Sammeladresse, per App-Foto oder über automatische Lieferantenanbindungen wie GetMyInvoices. OCR liest Datum, Lieferant, Betrag und Umsatzsteuersatz aus, eine KI schlägt das passende Konto im SKR03 oder SKR04 vor.
Der Steuerberater bucht in DATEV Rechnungswesen oder in der angebundenen Cloud-Software, klärt Plausibilitätsfälle per Portal-Chat und übermittelt die Umsatzsteuervoranmeldung über die hinterlegte Vollmacht via ELSTER. Monatlich liegen BWA und Summen-Salden-Liste im Mandantenportal. Den Jahresabschluss erstellt die Kanzlei in DATEV Bilanzbericht oder einer vergleichbaren Lösung, Steuererklärungen für Körperschaft-, Gewerbe- und Umsatzsteuer laufen über das gleiche System.
Wichtig für die Übergabe: Wer von einer klassischen Kanzlei zu einem Online-Anbieter wechselt, braucht eine Vollmacht. Der neue Steuerberater fordert beim alten die Buchhaltungs- und Mandantendaten an, importiert sie und führt nahtlos weiter. Ein Wechsel ist ganzjährig möglich, sinnvoll ist aber der Jahreswechsel oder das Ende eines Geschäftsjahres.
Welche Auswahlkriterien sind bei einem Online Steuerberater entscheidend?
Die Wahl eines Online Steuerberaters folgt anderen Kriterien als die Wahl einer klassischen Kanzlei. Die Räumlichkeiten zählen nicht, die Tools und der Servicegrad dafür umso mehr. Folgende Punkte sollten Sie vor der Mandatierung prüfen.
- Bestellung und Berufshaftpflicht. Eintrag im amtlichen Steuerberaterverzeichnis der Bundessteuerberaterkammer, Versicherungssumme über dem gesetzlichen Minimum.
- Festpreisvereinbarung schriftlich. §14 StBVV verlangt Schriftform. Achten Sie auf eine klare Leistungsabgrenzung.
- Branchenexpertise. Eine E-Commerce-GmbH braucht Know-how zu OSS-Verfahren, eine SaaS-Firma zu Reverse-Charge, ein Freiberufler zu §18 EStG.
- Tool-Stack und DATEV-Fähigkeit. Welche Buchhaltungssoftware nutzt die Kanzlei, ist sie als Digitale Kanzlei zertifiziert, gibt es eine Vollmachtsdatenbank?
- Beleg-App und Schnittstellen. OCR-Qualität, Massenupload, Anbindung an Bank, Shop und ERP.
- DSGVO und Hosting. Server in der EU, Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, transparente technisch-organisatorische Maßnahmen.
- Fester Ansprechpartner versus Ticket-Pool. In Saisonspitzen wie März und Juni ist der Unterschied spürbar.
- Reaktionszeit-Zusicherung. Antwort innerhalb von 24 oder 48 Stunden, telefonische Erreichbarkeit im Festpreis enthalten.
- Eskalationspfad bei Betriebsprüfungen. Wer begleitet vor Ort, was kostet das?
- Datenexport bei Wechsel. DATEV-Standardexport ohne Aufpreis, Vermeidung von Vendor-Lock-in.
Welche Rolle spielt KI in der digitalen Steuerberatung?
KI ist 2026 in deutschen Steuerkanzleien vom Pilotprojekt zum operativen Standard geworden. Die Bundessteuerberaterkammer hat im Februar 2026 einen offiziellen FAQ-Katalog zum KI-Einsatz veröffentlicht, was den berufsrechtlichen Charakter des Themas unterstreicht. In der Praxis übernimmt KI vier Aufgaben: Belege erkennen, Konten vorschlagen, Anomalien markieren und Routineanfragen beantworten.
OCR-Tools wie lexoffice, sevDesk, Candis und der DATEV-Belegtransfer mit KI-Erkennung lesen Lieferantenname, Datum, Beträge und Umsatzsteuersatz mit über 95 Prozent Trefferquote. Die Vorkontierung lernt mit jeder Buchung pro Mandant dazu, sodass Routineposten wie AWS, Stripe oder Telekom nach wenigen Wochen weitgehend autonom durchlaufen. Die Kanzlei prüft dann nur noch Klärungsfälle. Was KI nicht leistet: rechtsverbindliche Auskünfte gegenüber dem Finanzamt, Vertretung in Einspruchsverfahren und steuerliche Gestaltungsberatung mit individueller Risikoabwägung.
Wer tiefer in die Toolfrage einsteigen will, findet in unserem Guide zu KI für Steuerberater eine ausführliche Übersicht über die Tools, die Kanzleien selbst einsetzen. Für die unternehmerische Sicht auf den Buchhaltungsprozess lohnt der Beitrag zu KI in der Buchhaltung.
Was bedeuten DSGVO, GoBD und E-Rechnung für Online-Mandate?
Drei Regelwerke prägen die digitale Zusammenarbeit zwischen Mandant und Steuerkanzlei. Sie sind keine Kür, sondern Pflicht, und ein seriöser Online Steuerberater spricht sie aktiv an. Wer auf Nachfragen ausweicht, ist kein guter Partner.
Die DSGVO verlangt einen Auftragsverarbeitungsvertrag, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden. Bei DATEV-basierter Zusammenarbeit hat DATEV diesen Vertrag mit der Kanzlei geschlossen, bei lexoffice oder sevDesk schließt der Mandant ihn selbst ab. Hosting in der EU, idealerweise in Deutschland, ist Standard. Die GoBD verlangt unveränderbare, vollständige und nachvollziehbare digitale Buchführung. Belege müssen revisionssicher archiviert sein, eine Verfahrensdokumentation gehört zur Pflichtausstattung. DATEV Unternehmen Online, lexoffice, sevDesk und Candis sind GoBD-zertifiziert.
Die E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich gilt seit dem 1. Januar 2025. Empfangen müssen Unternehmen elektronische Rechnungen seitdem zwingend, der verpflichtende Versand greift gestaffelt bis 2028. Das DATEV-Magazin bezeichnet die E-Rechnung als Gamechanger, weil sie strukturierte XML-Daten direkt in die Buchhaltung speist. Online-Steuerberater sind hier meist Schritte voraus, weil sie XRechnung und ZUGFeRD ohnehin verarbeiten. Wer noch mit Papierrechnungen arbeitet, hat mit der Pflicht ein operatives Problem, kein steuerliches. Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Beitrag zur Künstlichen Intelligenz im Finanzamt und im Praxisartikel ChatGPT für Steuerberater nutzen.
Online Steuerberater versus klassischer Steuerberater: Was unterscheidet die Zusammenarbeit?
Der wichtigste Unterschied liegt nicht in der Qualität, sondern im Beleglauf und in der Honorarstruktur. Beide haben dieselbe Ausbildung, dieselbe Verschwiegenheitspflicht, dieselbe Berufshaftpflicht. Was sich unterscheidet, ist die Art, wie Daten ausgetauscht werden und wie das Honorar entsteht.
| Kriterium | Klassischer Steuerberater | Online Steuerberater |
|---|---|---|
| Belegabgabe | Ordner, persönlich oder per Post | App-Foto, E-Mail, API |
| Buchhaltungsstand | Monatlich oder quartalsweise | Tagesaktuell im Portal |
| Honorarmodell | Mittelgebühr nach StBVV | Festpreis nach §14 StBVV |
| Erreichbarkeit | Sprechzeiten, Termine | Portal-Chat, E-Mail, Videocall |
| Standortbindung | Regional | Bundesweit |
| Komplexe Sachverhalte | Stärke der persönlichen Beratung | Grenzen bei Konzern, Holding |
| Reaktionszeit | Tage bis Wochen | 24 bis 48 Stunden, oft im SLA |
Die klassische Beratung punktet bei komplexen Einzelfällen, persönlichen Beziehungen und Vor-Ort-Begleitung. Der Online Steuerberater punktet bei Standardprozessen, Geschwindigkeit und Kostentransparenz. Beide Modelle existieren parallel, und immer mehr Kanzleien bieten beides an.
Welche Statistiken belegen den Trend zur digitalen Steuerberatung?
Der Berufsstand wächst und digitalisiert sich gleichzeitig. Laut BStBK Berufsstatistik 2025 sind zum 1. Januar 2026 in Deutschland 105.953 Personen Mitglied einer Steuerberaterkammer, davon rund 89.000 als Steuerberater bestellt. Die Berufsausübungsgesellschaften wachsen, gleichzeitig kämpfen Einzelkanzleien mit Personalengpässen. Die BStBK-Sonderauswertung STAX 2024 weist aus, dass nur etwa 40 Prozent der offenen Stellen in Einzelkanzleien besetzt werden konnten. Berufsausübungsgesellschaften erreichten knapp 70 Prozent.
Diese Lage zwingt zu Effizienzgewinnen durch Automatisierung. Die STAX-Sonderauswertung zeigt eine direkte Korrelation: Je höher der Digitalisierungsgrad einer Kanzlei, desto positiver die Umsatzentwicklung. Auch auf Mandantenseite verändert sich das Bild. Eine Bitkom-Befragung von April 2026 belegt, dass 48 Prozent der Erwerbstätigen KI bereits bei der Arbeit nutzen, 8 Prozent davon täglich. Mandanten erwarten zunehmend digitale Workflows. Wer als Steuerberater hier nicht liefert, verliert mittelfristig Marktanteile an Online-Anbieter.
Was die Zahlen für Geschäftsführer bedeuten:
- Personalknappheit verteuert klassische Beratung mittelfristig.
- Digitale Kanzleien wachsen umsatzseitig stärker, was sich in Servicequalität und Tool-Investitionen niederschlägt.
- Die E-Rechnungspflicht macht eine digitale Belegerfassung ohnehin erforderlich.
- Wer jetzt umstellt, profitiert vom Wechsel-Effekt, bevor der Markt enger wird.
Fazit: Wann ein Online Steuerberater die richtige Wahl ist
Ein Online Steuerberater ist die richtige Wahl, wenn drei Bedingungen zusammenkommen. Erstens: Die Geschäftsführung arbeitet selbst mit Cloud-Tools und akzeptiert digitale Belegerfassung als Normalfall. Zweitens: Das Unternehmen hat überschaubare Komplexität, also keine internationale Konzernstruktur, keine Holding mit Verrechnungspreisen, keine Branchenbesonderheiten wie Margenbesteuerung. Drittens: Der gewünschte Servicegrad lässt sich mit Festpreis und SLA abbilden.
Trifft das zu, sparen Sie 20 bis 40 Prozent gegenüber dem Mittelgebühren-Niveau und gewinnen tagesaktuelle Auswertungen. Trifft es nicht zu, bleibt eine hybride Kanzlei oder eine klassische Beratung mit digitalem Anbau die bessere Wahl. Der erste konkrete Schritt: Prüfen Sie Ihren eigenen Digitalisierungsgrad anhand des Reifegradmodells in diesem Artikel. Steht Ihr Unternehmen auf Stufe 3 oder höher, lohnt der Anbieterwechsel. Auf Stufe 1 oder 2 sollten Sie zuerst die Belegerfassung digitalisieren und erst dann die Steuerkanzlei umstellen.
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Häufige Fragen
Was ist ein Online Steuerberater?
Ein Online Steuerberater ist eine nach §3 Steuerberatungsgesetz bestellte Person oder Steuerberatungsgesellschaft, die Mandate digital-first betreut. Belegerfassung, Buchhaltung und Korrespondenz laufen über ein Mandantenportal, eine Beleg-App und Videocalls. Berufshaftpflicht, Verschwiegenheit und Bestellung durch die Steuerberaterkammer sind identisch zur Präsenzkanzlei.
Ist ein Online Steuerberater seriös und genauso sicher wie eine klassische Kanzlei?
Ja, sofern er Mitglied einer Steuerberaterkammer ist und die Berufshaftpflicht von mindestens 250.000 Euro je Schaden nachweist. Die Daten liegen in zertifizierten EU-Rechenzentren, idealerweise nach ISO 27001. Prüfen Sie vor der Mandatierung den Eintrag im amtlichen Steuerberaterverzeichnis der Bundessteuerberaterkammer.
Was kostet ein Online Steuerberater pro Monat?
Für Solo-Selbstständige liegen Festpreise bei 50 bis 120 Euro pro Monat, für eine Solo-GmbH bei 200 bis 400 Euro, für eine GmbH mit bis zu zehn Mitarbeitern bei 350 bis 900 Euro. Mittelständische Unternehmen mit 10 bis 50 Mitarbeitern zahlen 800 bis 3.000 Euro modular. Diese Preise liegen typischerweise 20 bis 40 Prozent unter der StBVV-Mittelgebühr.
Brauche ich einen Steuerberater vor Ort, der mein Finanzamt kennt?
Nein, das deutsche Steuerrecht ist bundeseinheitlich. Ein Online Steuerberater arbeitet mit allen Finanzämtern in Deutschland und kann Sachverhalte über die Vollmachtsdatenbank von DATEV bequem klären. Vor-Ort-Termine sind nur bei Betriebsprüfungen oder komplexen Gestaltungsthemen nötig.
Wie wechsle ich von meiner alten Kanzlei zu einem Online Steuerberater?
Sie erteilen dem neuen Steuerberater eine Vollmacht. Dieser fordert beim alten Kollegen die Buchhaltungs- und Mandantendaten an, importiert sie in seine Systeme und führt nahtlos weiter. Ein Wechsel ist ganzjährig möglich, sinnvoll ist aber der Jahres- oder Geschäftsjahreswechsel, weil dann der Jahresabschluss eine klare Übergabelinie bildet.
Welche Software nutzt eine digitale Steuerberatung?
Standard sind DATEV Unternehmen Online für den klassischen Mittelstand, lexoffice und sevDesk für Solo-Selbstständige und kleinere GmbHs sowie Candis für KI-gestützte Eingangsrechnungsverarbeitung. Für Lohnabrechnung kommen DATEV LODAS oder Lohn und Gehalt zum Einsatz. Die Buchhaltungssoftware muss eine DATEV-Schnittstelle bieten, sonst entstehen Medienbrüche.
Ist ein Online Steuerberater günstiger als ein klassischer?
In den meisten Fällen ja, weil digitale Prozesse erhebliche Bearbeitungszeit sparen. Festpreismodelle liegen häufig 20 bis 40 Prozent unter dem Mittelwert der StBVV-Abrechnung. Voraussetzung ist eine saubere digitale Belegerfassung beim Mandanten. Wer Belege weiterhin in Schuhkartons sammelt, hebelt den Kostenvorteil aus.
Was sind die Vorteile und Nachteile eines Online Steuerberaters?
Vorteile sind Ortsunabhängigkeit, schnellere Bearbeitung, niedrigere Festpreise, tagesaktuelle BWA und Reduktion von Belegverlust. Nachteile sind weniger persönlicher Kontakt, die Voraussetzung digitaler Disziplin beim Mandanten und Grenzen bei komplexen Holding-, Konzern- oder Erbschaftsthemen. Für Mittelstand mit Standardprozessen überwiegen die Vorteile deutlich.
Welche Leistungen bietet ein Online Steuerberater an?
Das Leistungsspektrum umfasst laufende Finanzbuchhaltung, Lohnbuchhaltung, Umsatzsteuervoranmeldung, Jahresabschluss und Steuererklärungen für Einkommen-, Körperschaft-, Gewerbe- und Umsatzsteuer. Hinzu kommen monatliche BWA, Korrespondenz mit dem Finanzamt und auf Wunsch steuerliche Gestaltungsberatung. Betriebsprüfungsbegleitung wird meist gesondert nach Stunden abgerechnet.
Kann ich einen Steuerberater komplett online beauftragen?
Ja, die Mandatierung läuft vollständig digital. Die Vollmacht wird per qualifizierter elektronischer Signatur oder per unterschriebenem PDF erteilt, die Identifikation per Video-Ident oder Personalausweis-Scan. Ein Vor-Ort-Termin ist für die Beauftragung nicht erforderlich. Anschließend bekommen Sie Zugang zum Mandantenportal und können sofort Belege hochladen.
Welche Unterlagen braucht der Online Steuerberater zum Start?
Sie liefern Stammdaten wie Handelsregisterauszug, Steuernummer und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, die letzten Steuerbescheide und Jahresabschlüsse, einen Lese-Zugang zu Ihren Geschäftskonten per FinAPI oder HBCI sowie Zugriff auf Ihre Buchhaltungssoftware. Alle Unterlagen lassen sich per Upload übermitteln. Der Berater prüft die Daten und stimmt das weitere Vorgehen ab.
Ist digitale Steuerberatung DSGVO-konform?
Ja, sofern Hosting in der EU oder in Deutschland erfolgt, ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO besteht und eine Verfahrensdokumentation nach GoBD gepflegt wird. Seriöse Anbieter weisen das aktiv aus. Bei DATEV-basierter Zusammenarbeit liegt der Auftragsverarbeitungsvertrag zwischen DATEV und der Kanzlei, bei lexoffice oder sevDesk schließt der Mandant ihn selbst ab.
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